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Robbis Enkel HitchBOT ohne Fliewatüüt durch Kanada unterwegs

Wer die Abenteuer von Robbi, Tobbi und dem Fliewatüüt in den frühen 70er Jahren im Fernsehen verfolgt hat, erinnert sich wahrscheinlich für immer an Robbi (Rob 344-66/IIIa), den Roboter aus der dritten Roboterklasse, seinen Freund Tobbi und das alleskönnende Fortbewegungsmittel Fliewatüüt, das als Treibstoff den Himbeersaft von Tante Paula oder Lebertran benötigt.

Wie war nochmal die Geschichte? Robbi muss für seine Abschlussprüfung der dritten Klasse drei Aufgaben lösen und dafür rund um die Welt reisen. Er darf sich dabei einen menschlichen Freund zuhilfe nehmen und sucht sich den Drittklässler Tobbi, ein genialer Knirps, der das nicht minder geniale Fliewatüüt (fliegt, bewegt sich auf dem Wasser und kann fahren) erfunden hat. Denn Roboter können viel, aber vieles auch nicht, z.B. Klettern. Die beiden reisen ans Ende der Welt, an den Nordpol und nach Schottland und mithilfe vieler freundlicher Menschen, die Robbie und Tobbie immer wieder retten und unterstützen, lösen die beiden erfolgreich die gestellten Aufgaben.

HitchBot und Frauke Zeller

Mehr als 40 Jahre später hat sich Robbies Enkel HitchBot vor wenigen Tagen in Kanada auf den Weg gemacht, sein Ziel ist von der Ostküste zur Westküste, also 4000 Meilen, zu trampen.

robbi, tobbi und das fliewatüüt

Robbi, 1. Generation Roboter auf der Suche nach menschlicher Hilfe auf seiner Reise an den Nordpol (1972)

hitchbot

HitchBot, Robbies Enkel auf seiner Reise per Anhalter durch Kanada (2014)

HitchBots Erfinderin ist ein Team von Wissenschaftlerinnen um die deutsche Kommunikationswissenschaftlerin Frauke Zeller, die ihr Projekt in Kanada realisiert. In Deutschland sind Universitäten oft etwas humorresistenter und ein ähnliches Projekt zwischen Garmisch- Partenkirchen und Glücksburg ist schwer vorstellbar.

HitchBot kann sich nicht eigenständig bewegen, muss also ins Auto und an den Straßenrand getragen werden, kann aber wunderbar sprechen und wenn gewünscht auch den Mund halten.

Kann ein Roboter sich auf menschliche Hilfe verlassen?

Sinn des Experiments? Während Wissenschaft und Industrie sich daran abarbeiten, Roboter zu kreieren, auf die der Mensch sich verlassen kann, stellt Zeller die umgekehrte Frage:

“Kann ein Roboter sich auf den Menschen verlassen?”

Gelingt also HitchBot, was Rob 344-66/IIIa alias Robbi damals im Buch und Film so grandios gelang? HitchBot startete auf den ersten Etappen mit großem Erfolg,

Das Experiment ist so einfach, fast albern, wie hintergründig, weil es für sich genommen spannend, lustig und undramatisch ist. Gleichzeitig proviziert es en passant viele weitere Fragen, die am Ende meist in Variationen der Frage münden: Können Menschen sich auf Menschen verlassen? Egal, wie das Experiment ausgeht – schon jetzt ist HitchBot, der Roboter in Gummistiefeln und mit Schwimmnudel-Armen und -Beinen ein kleiner Star. Er bringt das komplexe Thema vom Verhältnis Mensch und Maschine auf eine entspannte, geschichtenreiche und völlig undogmatische Art in die Medien.

Und schon jetzt verspüre ich große Lust aufs Trittbrett zu springen und HitchBot zwischen kanadischer Ost- und Westküste nachzutrampen  - ein großes und geschichtenreiches Experiment rund um die Frage: Kann SilkButt sich auf den Menschen verlassen?

Links:

HitchBot bei Twitter
Frauke Zeller bei Facebook
HitchBots Reisetagebuch
HitchBot bei Facebook
Kinderbuch “Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt” von Boy Lornsen

Die Verfilmung von Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt mit der tollen Filmmusik ist fast vollständig auf YouTube zu finden und mit Zusatzmaterial auch auf DVD erhältlich:

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Mobiles Arbeiten – das Thema brennt unter den Nägeln. Für kein Thema wurde ich in den letzten Monaten so oft angefragt. Wie war das nochmals mit den Online-Festplatten? Von Dropbox bis OwnCloud, wer kann Daten live synchronisieren, mit welchem Programm kann ich auch offline arbeiten, wo werden die Daten verschlüsselt, wer hat die Server in den USA stehen und wer nicht? Braucht man für’s iPhone die iCloud oder kann ich mich dieser auch verweigern?

Welche Online-Programme taugen etwas? Kann Google Doc auch den Word-Überarbeitungsmodus und was ist Office 365 – brauch ich das? Welche Tools unterstützen die Arbeitsorganisation und Kooperation? Kann ich alle meine Geräte automatisch synchronisieren bzw. wer macht das dann und wo schwirren meine Daten dann durch den Äther? Schließen mobil und sicher sich ganz einfach aus?

Viele viele Fragen. In dem Online-Seminar “Mobiles arbeiten leicht gemacht – Tools und Technik für den Alltag“, das die webagentin und die BücherFrauen von 17. Januar bis 13. Februar anbieten, werden diese und andere Fragen beantwortet. Anmelden kann frau sich hier.

Einen knappen Überblick über das Themenspektrum des Seminars gibt eine Prezi, die ich für einen Vortrag beim Verband freier Lektorinnen und Lektoren vor ein paar Tagen in Berlin gehalten habe.

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Stellen Sie sich vor, Sie möchten einmal Urlaub machen. Urlaub für sich selbst, Urlaub von Ihrer Arbeit, von Ihrem Alltag – und von der lückenlosen Überwachung und Nachverfolgung Ihrer Schritte und Ihrer digitalen sowie telefonischen Kommunikation durch Unternehmen und Nachrichtendienste.

Geht nicht? Einen Versuch ist es wert! Hier einige Grundsätze, die Sie dabei beachten sollten:

Anleitung zum unkontrollierten Urlaub

1. Kein Facebook, kein Twitter, kein Instagram. Keine Mails.

2. Lassen Sie Smartphone, Handy und Tablet zu Hause. Das macht nicht nur Ihren Aufenthaltsort sehr viel weniger nachvollziehbar, sondern wird Ihnen auch – nach Unruhe-Attacken (Digital Turkey) und einem Gefühl der tiefen Vereinsamung in den ersten Tagen – zu einem völlig neuen Urlaubsgefühl verhelfen.

3. Wenn Sie telefonieren müssen – nutzen Sie öffentliche Fernsprecher.

4. Wenn Sie ein Laptopp mitnehmen, beispielsweise, weil Sie einen Roman schreiben möchten, lassen Sie den Mobil-Stick zuhause und schalten Sie noch vor dem Start des Urlaubs das WLAN aus. Noch besser – nutzen Sie Notizbuch und Stifte.

5. Fliegen Sie nicht, die Daten von Fluggesellschaften sind einfach einsehbar. Wenn Sie mit der Bahn fahren, kaufen Sie das Ticket am besten am Schalter und bezahlen bar. Verzichten Sie auf die Nutzung einer Bahncard.

6. Nehmen Sie reichlich Bargeld mit, am besten den gesamten Betrag, den Sie vermutlich ausgeben werden. Eventuell lassen Sie sogar Ihre Kreditkarte zuhause.

7. Wenn Sie mit dem Auto fahren – fahren Sie nicht zu schnell und verstoßen Sie  nicht gegen Verkehrsregeln – Radarfallen verraten, wo Sie sich aufhalten. Bezahlen Sie an der Tankstelle mit Bargeld. Bedenken Sie jedoch, dass die Fortbewegung mit dem Auto in diesem Kontext subotimal ist – Überwachungskameras an Tankstellen, Parkhäusern etc. machen Ihre Wege nachvollziehbar.

8. Kein Navi. Nutzen Sie eine Landkarte auf Papier.

9. Buchen Sie Ihre Übernachtungen nicht im Voraus via Internet. Suchen Sie vor Ort nach kleinen Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen, Hütten und Campingplätzen, die Ihre persönlichen Daten, wenn überhaupt, nur auf Papier und nicht digital festhalten.

10. Campen Sie auch mal wild oder schlafen Sie am Strand.

Und: Befolgen Sie mindestens 3 dieser Regeln mindestens 7 Tage lang.

 Zu Teil 1 – Ich bin ja so gläsern! Kein #Aufschrei wegen lückenloser Überwachung

Zu Teil 3: 10 Tipps, was Sie im Urlaub machen können, wenn Sie auf Smartphone, Facebook, Twitter etc. verzichten.

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Kein #Aufschrei

Vor einiger Zeit sang ich hier das große Loblied auf die Google-Tools.

Das war vor Snowden. Heute singe ich keine Lobeshymnen auf Google, mein Online-Verhalten habe ich aber bisher nicht geändert. Wie der allergrößte Teil der Internet-User wohl auch. Wir sind gläsern – na und? – scheint insgesamt die Devise zu sein. Zwar wittert z.B. der Spiegel in der NSA-Affaire die große Chance für den Kanzlerkandidaten Steinbrück. Ich glaube nicht an diese Chance. Die NSA-Neugier ist älter als die Kanzlerschaft von Merkel und auch die Politik der SPD/Grünen-Koalition, die bis 2005 an der Macht war,  war um kein Haar transparenter als die der jetzigen Regierung. Der allgemeine Schrei der Empörung, auf dem die Chance fußen könnte, exisitiert nicht.

Schützen Sie sich vor Überwachung!?

Ich habe gleich nach Bekanntwerden der NSA-Spähaktivitäten einigen Bildungsinstitutionen mit denen ich zusammen arbeite, ein Seminar mit dem Thema “Wir müssen leider draußen bleiben – wie Sie Ihre Privatsphäre vor Überwachung schützen” angeboten – das Echo war bescheiden. Zu speziell, zu kompliziert, nicht interessant für ein breites Publikum.

Offen gestanden glaube ich, dass diese Argumentation nicht ganz verkehrt ist. Privatsphäre, Verschlüsselung und private Spionageabwehr haben einen Preis – und der besteht in einem technischen Aufwand, den die meisten ganz normalen Internet-Nutzer nicht zahlen wollen und können. Neuinstallationen, Rooter-Einstellungen, Verschlüsselungen, Anbieterwechsel, Daten-Exporte und -Importe. Die meisten Bürgerinnen und Bürger müssten sich das Know-How dafür erst erwerben, ganz abgesehen von der Zeit, die solche technischen Einrichtungen immer kosten. Und das alles mit unsicherem Ergebnis, denn – darin sind sich Experten einig – ganz und gar wird man die eigenen Daten nicht vor Überwachung schützen können.

Demokratie als Freilandhaltung

Natürlich ist die Vorstellung erschreckend und geradezu absurd, dass jede Bewegung, die ich im Netz mache, nicht nur für Google (beim mir, weil ich dort permanent eingeloggt bin), Facebook, Microsoft etc. nachvollziehbar ist und damit nach algorithmischer Aufbereitung viele meine Schritte auch vorhersehbar sind, sondern dass zudem die NSA meine Bewegungen bei Bedarf beliebig einsehen kann.

Andererseits – haben wir wirklich geglaubt, es könne eine Technologie der Überwachung geben, die ein Staat, der sich – und das nicht erst seit 9/11 – permanent angegriffen fühlt, nicht nutzt? Dass ein solcher Staat darauf verzichtet alles zu wissen, was er wissen kann? China macht schon lange vor, wie die fast lückenlose Überwachung des Internets funktioniert. Dachten wir wirklich, unsere Regierungen ließen die Finger davon? Die Leine, an der wir gehalten werden, ist wesentlich länger als die in China Übliche. Praktische Demokratie ist eine Politik der langen Leine, Freilandhaltung, und der Konsens der Bewegungsfreiheit. Offensichtlich bedeutet sie nicht den Verzicht auf Überwachung und Kontrolle. Und wir scheinen uns daran in der Mehrheit schon längst gewöhnt zu haben.

Bewusstsein statt Fatalismus

Ich möchte hier keinesfalls den großen Fatalismus predigen – man kann allemal nichts machen und da ich nichts zu verbergen habe, ist das ja auch alles nicht so schlimm. Nur ist es tatsächlich so: Ein Ausweg ist nicht in Sicht. Wir werden überwacht, sind gläsern und können die Tür vor den Spähern nicht wirklich schließen. Doch haben wir uns in den letzten Jahren, in denen dieses Überwachungsnetz so unglaublich dichtmaschig geknüpft wurde, auch nicht wirklich mit dem Thema beschäftigt und es statt dessen kräftig verdrängt.

Ein erster Schritt wäre eine Schärfung des Bewusstseins – merke: Eine E-Mail ist ein offenes Buch, eine SMS eine einsehbare Postkarte, jeder Post bei Facebook wird nicht nur von Facebook gespeichert, jeder Schritt, den ich mit Smartphone oder Handy in der Tasche mache, ist im Prinzip nachverfolgbar. Ein so geschärftes Bewusstsein ändert nicht die Überwachungsmethoden der NSA, aber längerfristig die persönlichen Verhaltensweisen – momentan liegt in diesen wohl der einzige bescheiden Hebel, an dem eine Veränderung ansetzen könnte.

Und wenn Sie mit diesem geschärften Bewusstsein dann doch die Tür wenigstens ein Stück schließen wollen – hier finden Sie Material und Anleitungen:

Teil 2: Ich bin ja so gläsern! Teil 2 – 10 Tipps für einen Urlaub von der NSA

Teil 3: Stell dir vor, es geht dir prima und keiner weiß es – ich bin ja so gläsern Teil 3

 

 

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Free your Phone!

Eigentlich toll: In Barcelona wurde eine Firefox Betriebssystem für Smartphones vorgestellt. Schon vor einigen Wochen wurde die Marktreife der Linux-Version Ubuntu für Smartphones angekündigt. Konkurrenz belebt das Geschäft und so ist diese Entwicklung neuer Systeme in jedem Fall zu begrüßen. Zumal die beiden neuen Systeme den Vorteil haben, dass sie auch auf alten Smartphones schnell und stolperfrei laufen. Wer sein Smartphone also einfach nur sachlich für praktische Funktionen wie Telefonieren, Mails checken, Kalenderfunktionen, Aufgabenerinnerung, Wetterbericht, Wikipedia, kurze Internetbesuche nutzt, kann damit auch alte Smartphones, für die die Hersteller keine neuen Androidversionen entwickeln, noch für ein zwei Jahre reaktivieren. Kampf der Materialverschwendung, super, denn jedes entsorgte Smartphone enthält jede Menge Stoffe, die richtig giftig sind und kaum recycelt werden können – nur spricht darüber kaum jemand. Mit der immer penibleren Mülltrennung hierzulande geht eine kaum diskutierte enorme Zunahme von digitalem Sondermüll einher – während wir Wert darauf legen, jede Kartoffelschale dem Biomüll zuzuführen.

Freie Software und ihre Grenzen

Retten wir also die Welt und beginnen mit dem alten Smartphone, nutzen es einfach zwei Jahre länger und installieren Firefox OS oder Ubuntu Phone OS auf dem veralteten Smartphone, verzichten auf jeden Gedanken an Statussymbole und diesen ganzen Image-Kram, den das Smartphone so transportiert ignorieren wir. Technisch kann das kein Problem sein, schließlich habe ich Windows, Linux etc. schon öfter neu installiert.

Böses Erwachen: Denkste! Du bist nicht Herr über dein eigenes Smartphone und welches Betriebssystem (sogar, welche Version desselben) auf deinem Smartphone läuft, bestimmt der Hersteller des Geräts und nicht die Käuferin. Android ist zwar freie Software, aber das hat die Freiheit dann ganz schnell ein Ende.

Doch, es gibt Wege, das Smartphone zu befreien – zumindest für Android und angeblich auch für Windows Phones. Anleitungen finden sich beispielsweise auf dem medienpädagogischen Dotcom-Blog oder bei Ubuntu selbst.

Kann die Welt erst morgen retten

Ganz ehrlich? Ich habe mehrere Anleitungen angelesen und sehr schnell beschlossen, dass es mir gerade zu kompliziert ist, die Welt zu retten. Und hoffe, dass wachsendes Bewusstein die technsiche Entwicklung beeinflussen wird und es ungefähr nächstes Jahr, wenn mein Samsung Galaxy S2 vielleicht unter neuen Android-Versionen zu stottern beginnt, einfachere Wege zu Ubuntu Phone und Firefox OS gibt. Wenn ich dann tatsächlich reif genug bin, diesen ganzen Image-Kram zu ignorieren…

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Zeitungssterben und Informationsbedürfnis

Es ist kaum eine Woche her, dass das Ende der Frankfurter Rundschau gemeldet wurde. Morgen tagt der Aufsichtsrat von Gruner & Jahr und es gilt als wahrscheinlich, dass die Financial Times Deutschland ebenfalls eingestellt wird.

Schuld an dieser Krise der Zeitungen ist, so heißt es immer wieder, das Internet. Das ist Blödsinn. Schuld daran ist der Mensch. Anders gesagt: Die gedruckte Zeitung war lange Zeit das beste Medium um die Nachrichten zu verbreiten, die das Informationsbedürfnis des Menschen befriedigen. Papier war gut, so lange es nichts Besseres gab. Auch Rundfunk und Fernsehen waren schon immer eine harte Konkurrenz für die Printmedien, im Zweifelsfall sind sie schneller und aktueller. Aber Radio Fernsehen waren nicht so praktisch und mobil, sie ermöglichen dem Zuschauer oder Zuhörer eben nicht das Überfliegen, Überblättern, den eigenen Leserhythmus, das Nachlesen, die Lesepause zum Nachdenken und Verarbeiten oder den einfachen Wiedereinstieg genau dort, wo eine aufgehört hat zu lesen.

Das kostenlose Internet ist nicht böse, sondern besser

Die Bedürfnisse des Menschen haben sich in dieser Hinsicht so sehr nicht verändert. Nachrichten haben aktuell zu sein und der Mensch möchte das Recht der Konsum-Redaktion (überfliegen, überspringen, nur am Rande zur Kenntnis nehmen, erneut lesen, verarbeiten) und Selektion (überblättern, übersehen, ungelesen weg- oder verwerfen) in letzter Instanz bei sich wissen. Lange konnte die auf Papier gedruckte Zeitung diese Anforderungen an den Nachrichtenkonsum unter allen Medien am besten erfüllen. Das Internet kann es aber noch besser. Schnell, sekundenschnell aktuell, voller alternativer Angebote, Versionen, Varianten, erweitert um die Perspektiven von Live-Tweets, Videos, Facebook-Einträgen und Blogposts, kann das Internet mitsamt Suchmaschinen und dem Zugang zu Medien weltweit weit mehr als die Zeitung. Das Internet ist ganz einfach die bessere Zeitung. Diese war so lange gut, wie es nichts Besseres gab, um die Nachricht an den Mensch zu bringen.

Auch der Wunsch der Leser/innen, möglichst viel Information und Service für möglichst wenig Geld zu bekommen, ist wesentlich älter als das Internet.

Die Macher von Printmedien haben sich zu lange mit der Frage “Warum wollen Menschen keine Zeitung mehr kaufen?” beschäftigt und haben darauf vor allem die frustrierende Antwort gefunden “Weil im Internet alles kostenlos zu haben ist”.

Delikatesse Qualitätsjournalismus

Die Frage muss anders lauten: “Warum sollten informationshungrige Menschen für journalistische Produkte, egal mit welchem Endgerät oder auf welchem Trägermedium sie konsumiert werden, bezahlen?” Die Antworten darauf müssen all das benennen, was Journalismus und Medien zusätzlich zu dem bieten können, was kostenlose digitale News und Apps bieten. Recherche, Analyse und Urteilsfähigkeit werden als Kernkompetenzen von Qualitätsjournalismus in diesen Antworten vorkommen, aber sie alleine reichen nicht aus. Qualitätsjournalismus wird als Feinkostladen unter Informationssupermärkten zwar überleben. Wer mit Nachrichten und Journalismus großes Geld verdienen will, wird jedoch Tools und Apps und Algorithmen entwickeln müssen, die sehr genau entlang der Wünsche und Bedürfnisse der User entwickelt werden. Die klassischen Medienkonzerne haben hier die Nase absolut nicht vorn.

Wollen wir wetten, wann Google, Apple oder Facebook mit Yahoo im Schlepptau die ersten klassischen Medienkonzerne aufkaufen?

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Mechanische Haushaltreinigung und Digitale Dock-Adapter

Einst waren Besenstiele und Schrubberstiele mit einem Gewinde ausgestattet und Besen- und Wischaufsätze aller Fabrikate konnten beliebig aufgeschraubt werden. Wir haben in unserem Haushalt einen solchen Schrubberstiel und feudeln die Böden unserer Wohnung mit einem Gewinde-Wischmopp-Aufsatz. Lange Zeit stellte das kein Problem dar. In jedem Drogerie-Markt gab es neben den (teureren) Wischmopp-Aufsätzen des Marktführers Vileda, die mit einem nur für seine hauseigenen Schrubberstile und Aufsätze passenden Stecksystem ausgestattet sind, auch günstige Gewinde-Wischmopp-Aufsätze von No-Name-Marken zu kaufen.

Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein und Viledas Marktbeherrschung ist nun so umfassend, dass ich neulich in den Filialen drei verschiedener Drogeriemarktketten keine Gewinde-Wischmöppe mehr finden konnte, sondern nur noch solche mit Vileda-eigener Steckverbindung. Das heißt, in Deutschland kann jetzt nur noch mit Vileda-Besenstiel und Vileda-Steckaufsatz gefeudelt werden, zumal Vileda natürlich ein Patent auf seinen Stecksystem hat und es davon keine günstigen No-Name-Nachbauten gibt.

Vom proprietären Wischmopp-Stecker zum iPhone5-Dock-Adapter

Wir konnten einer Umstellung auf dieses monopolorienterte  Stecksystem einen Urlaubsimport von Wischmoppaufsätzen aus Spanien entgehen, wo der Schraubaufsatz nach wie vor zum Standard gehört. Die Firma Vileda – “wir sind Marktführer in der mechanischen Haushaltsreinigung”  ist übrigens in Weinheim am Rande des Odenwalds in Baden Württemberg angesiedelt und in den letzten Jahren zum internationalen Konzern gewachsen. Nach wie vor ist Vileda familiengeführt, Inhaberin ist seit über 150 Jahren die Familie Freudenberger.

Wäre Vileda ein Computer-Hersteller, würde man von einem proprietären System im Gegensatz zu unserem OpenSource-Schraubmopp sprechen. Wie man damit viel Entrüstung ernten und noch mehr Geld verdienen kann, führt Apple gerade mustergültig vor. Das neue iPhone 5 ist mit einer neuen Steckerbuchse für Ladegerät und alle Kabel, das das iPhone5 mit anderen Geräten (Docking Station, Rechner, USB etc.) verbindet, ausgestattet. Das neue Stecksystem hat Vorteile für die Kundin – der Stecker ist kleiner, robuster, bedienungssicherer, denn er hat kein Oben und Unten. Eine hübsche kleine Aufmerksamkeit für Menschen im Lesebrillenalter. Für iPhone 5-Besitzer/innen, die bereits mehrere Ladegeräte, eine Autoladegerät, ein USB-Kabel usw. besitzen für ein iPhone 4, ist das neue System vor allem teuer. Sie müssen sich mindestens einen altes/neues-Stecksystem-Adapter für 29 Euro zulegen.

Image-Marktführer Apple

Muss man sich darüber entrüsten? Man kann. Muss man aber nicht. Zumal die Entrüstung nichts ändert und Apple durch die neue Buchse kaum Kunden verlieren wird.

Der Adapter-Stecker ist niemals 29 Euro wert? Der Adapter-Stecker ist so viel wert, wie die Kund/innen bereit sind dafür zu zahlen. Ob sie dabei mit den Zähnen knirschen, ist völlig irrelevant. Am Ende wird die neue Buchse wahrscheinlich noch nicht einmal Apples Ruf schaden, sondern das Image als Unternehmen, das vor Innovationen auch dann nicht zurückschreckt, wenn sie schmerzen, stärken. Apple war das erste Unternehmen, das schon Ende der 90er Jahre mit dem ersten iMac ganz auf Diskettenlaufwerke verzichtet hat und später beim MacBook Air ohne visuelles Laufwerk und mit reduzierten Steckplätzen einfach auf die zunehmende Netzabdeckung setzte. Und Recht behielt.

Denn hier ist Apple wirklich genial – während der Microsoft-Konzern, der in den 90er Jahren eine ähnliche unangreifbare Marktführerposition innehatte wie Apple, für die fehlende Kompatibiliät seiner Software mit anderen Systemen immer gehasst wurde, wird Apple für seine Exklusivität geliebt. Die 29 Euro sind schnell verschmerzt, der Ärger vergessen. Technik können andere auch, Image kann Apple einfach am besten.

 

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0der: Als ich einmal mit einem mobilen Bahnticket reiste

Ärger mit den eigenen technischen Geräten zu haben, ist unerfreulich. Wenn sich dazu aber noch ein Dienstleistungsunternehmen addiert, das gegenüber den eigenen Mitarbeitern in Sachen Vermittlung der technischen Angebote für Kunden enorme Defizite hat, wird die Sache richtig unangenehm. Hier ein Dialog, wie er tagtäglich auf Zugfahrten mit der Bahn statt findet. Und als Service für die Abteilung Mitarbeiterschulung der Bahn noch ein Dialog, wie er bei gleicher Ausgangssituation stattfinden könnte.

Ausschnitt der Startseite www.bahn.de vom 7.11.2011

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Eine echte Innovation im Bereich des touristischen Online-Services stellt der interaktive Stadtplan dar, mit dem jeder per Smartphone auf eigene Faust die Stadt erkunden kann.
(gefunden bei business-on.de unter dem Stichwort Für Düsseldorf-Touristen)

Holla! Auf eigene Faust! Das Smarphone macht’s möglich! Na, das sind Aussichten! Augmented Reality! Das gab’s noch nie! Und dann auch noch Düsseldorf!

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Ich verstehe die Aufregung nicht. Apple speichert Bewegungsdaten von iPhone-Nutzern, so stellte sich vor wenigen Tagen heraus, der Süddeutschen Zeitung war das sogar den Ostersamstäglichen Aufmacher (Print) wert. Und prompt stellte sich heraus: Auch Google speichert die Bewegungsdaten von Android-Nutzern. Hätte irgendjemand ernsthaft etwas anderes vermutet?

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