Monatsarchiv für Oktober 2010

Deutschland bügelt, kocht und surft mehr und im Dunkeln

Geschrieben von am 19. Oktober 2010 | Abgelegt unter Aktuell, Mobil

Gestern veröffentlichte das Bundesamt für Statistik, dessen Website allemal immer einen Besuch wert ist – wo sonst würde man erfahren, dass morgen der erste Weltstatistiktag ist – , die Zahlen zum Energieverbrauch der privaten Haushalte in Deutschland. Demnach ist z.B. der Energieverbrauch für Raumwärme seit 2005 um fast 9% gesunken und zum ersten Mal seit dem Ende des 2. Weltkriegs gibt es einen Rückgang des Gesamtenergieverbrauchs gegenüber dem Vorjahr. Offensichtlich zeigen sich nun erste Erfolge von besseren Wärmedämmungen und ökonomischerem Heizverhalten.

Gestiegen sind 2009 im Vergleich zu 2005 lediglich zwei Posten: Der Energieverbrauch für Bügeln, Kochen, Trocknen (4,3%) sowie der für Haushaltsgeräte inklusive Kommunikation, der um satte 6% anstieg. Gleichzeitig ging der Verbrauch für Beleuchtung um fast 7% zurück. Die Bürgerinnen und Bürger Deutschlands sitzen demnach mit frisch gebügelter Hose aus dem Wäschetrockner mit einem selbstgekochten warmen Mahl in kühlen Räumen und surfen dort oder schauen auf einem großen LED/LCD/HDTV/Blacklight/DVB-T/C-Fernseher fern. Erstaunlich, dass Waschen und Trocknen demnach in unterschiedlichen Kategorien auftaucht. Die Waschmaschine ist den Haushaltgeräten inklusive Kommunikation zugeschlagen, der Trockner taucht bei Bügeleisen und Herd auf – ich suche nach dem Sinn der Systematik, vermag ihn aber nicht zu finden.

Und ich frage mich, woher das statistische Bundesamt eigentlich weiß, wofür ich meinen Strom nutze. Gibts in den Steckdosen auch schon Cookies? Ist Google, während wir noch über Google Streetview diskutieren, schon längst von der Straße in die Haushalte eingedrungen? Säuselt mir Google, wenn ich mein Bügeleisen einstecke, bald ins Ohr, welche Reinigung um die Ecke meine Hemden noch besser bügelt oder welches Bügelgerät mich noch glücklicher bügeln ließe? PlugInAds statt Adwords, die Zukunft der Kommunikation – kein schlechter Slogan für post web2.0 marketing, oder?

Mobil Apps & Co. auf der Buchmesse

Geschrieben von am 9. Oktober 2010 | Abgelegt unter Aktuell, Mobil

Ganz ehrlich? Nach drei Tagen Buchmesse, an denen ich mir vor allem Entwicklungen im Bereich E-Book, iBook, mobile Anwendungen, Lern-Technologie und Smart-Learning-Produkte angeschaut habe, bin ich reichlich ernüchtert bis enttäuscht. Gut, das iPad ist hübsch, das wussten wir schon länger, und immer mehr Verlage machen nun Apps aus ihren Büchern, die dann auf iPhone und iPad und iPod zu lesen sind. Aber insgesamt scheint es sich mehr um Format-Konvertierungen denn um wirklich innovative Produkte zu handeln. Versionen von E-Books für ein etwas anderes Betriebssystem. Was das mobile Internet und was Smartphones für Lesen und Lernen wirklich tatsächlich bedeuten könnte, scheint in der Branche noch kaum angekommen zu sein. Am besten habe ich mich eigentlich am Nintendo-Stand amüsiert, wo ich mit Herzenslust gespielt habe (was ich sonst – Ehrenwort – nie mache). Und dem Haufe Verlag habe ich vorgeschlagen, statt der nun als App erhältlichen Nachschlagewerke, die mir der freundliche Herr stolz präsentierte, doch z.B. ein iPhone-Lexware zu entwickeln, mit dem beispielsweise Restaurant- und Einkaufsquittungen gleich vor Ort per Foto eingescannt und in die Buchhaltungssoftware eingetragen werden – wobei die neuen Kreditoren gleich im Programm angelegt werden könnten. Das wäre doch ein guter Ansatz für Ambiant Software, die wirklich mobil funktioniert…

Lernen von Morgen: Elite-Unis waren Gestern

Geschrieben von am 1. Oktober 2010 | Abgelegt unter Aktuell, Weiterbildung

Kaum hat es Deutschland geschafft seine Hochschulwelt so weit umzumodeln, dass es auch hierzulande ganz offiziell Eliteuniversiäten gibt, an denen eine Elite für Wirtschaft und Politik ausgebildet werden soll, da gibt Bill Gates – der sein Havard-Studium zugunsten der Gründung von Microsoft einst abbrach – zum Besten, dass die Idee der Elite-Uni von Gestern ist. Auf der Techonomy-Konferenz in Lake Tahoe prophezeite er, dass in 5 Jahren die besten Vorlesungen allemal im Internet zu finden seien und Lernende sie auf diese Art uniübergreifend selbst für ihren Stundenplan beliebig zusammen stellen können. Diese vorhergesagte Entwicklung wird noch einige Kontroversen hervorrufen. Wie wäre das denn? Die besten Unis stellen ihre Vorlesungen allesamt online und kostenfrei zur Verfügung, so dass alle weltweit daran teilnehmen können. Geld spielt für diese Ausbildung keine wirklich tragende Rolle, gefördert werden also auch die Intelligenz-Eliten in Dschibuti, Indonesien, Peru und der Mongolei. Keine Hürden mehr für Bildung, am Ende gibt es eine Abschlussprüfung und mit diesem Abschluss in der Tasche können sich dann alle überall auf der Welt um die besten Jobs bewerben. So bekommen die Besten die beste Ausbildung und die besten Jobangebote die besten Bewerber/innen. So kommen auch nach Deutschland die Besten und Sarrazins Prophezeiung, wir schafften uns ab, wird am Ende wahr, aber auf ganz anderem Niveau.

Gates hat im Übrigen z.B. mit dem Projekt Tuva schon seit einiger Zeit damit begonnen, die Verwertungsrechte von Vorlesungen zu erwerben. Damit ist er – der mit Microsoft das Internet in den 90er Jahren ja zunächst glatt verschlafen hatte – in diesem Fall ganz unglaublich auf der Höhe der Zeit: Die nächste Globalisierungswelle wird die der Bildung und Ausbildung sein. Was das bedeutet, lässt sich bisher nur spekulieren, aber Bill Gates tut sicherlich nichts falsches, wenn er sich in Sachen Bildung schon einmal in die erste Reihe stellt.