Das ist sicherlich eine der schwierigsten Fragen im Bereich Weiterbildung für Unternehmen und Organisationen überhaupt. Denn Weiterbildungsbedarf an der Basis dringt selten vor bis in die Ebenen von Unternehmen, wo z.B. über Unternehmensweiterbildungen entschieden wird. Und dort, wo darüber entschieden wird, ist der eigene Weiterbildungsbedarf wiederum kein gern angesprochenes Thema. Jede Unternehmensetage hat da ihre eigenen Tabus. Die GABAL – Gesellschaft zur Förderung Anwendungsorientierter Betriebswirtschaft und Aktiver Lehrmethoden in Hochschule und Praxis e.V. startet eine Umfrage unter Unternehmen, die etwas aufhellen soll, wie in deutschen Unternehmen die Praxis der Ermittlung des Bildungsbedarfs aussieht. Ein Thema mit dessen negativen Auswüchsen in Form von an Mitarbeiterinnen vorbei geplanten (e-)Fortbildungen leider bisweilen durchaus konfrontiert werden – bis in längere Auszeiten hinein. Also, den Finger auf die Wunde legen: http://www.fotoprotokoll.biz/befragung/
Vielleicht liegt es an der Internet-Enthaltsamkeit, die ich nun seit gut zwei Monaten kultiviere, dass mir die flächendeckende Allwissenheit des Netzes heute so unheimlich vorkommt:
Gerade war ich bei Youtube, wo ich mich – das muss ich auch als webagentin zugeben – recht selten umtue und wo ich nur minimale persönliche Daten eingegeben habe. Dort wurde mir einmal mehr angeboten, an Ort und Stelle Freunde zu finden und für den Anfang schlägt man mir vier Personen vor. Von diesen vier Personen kenne ich drei. Meine Verbindung zu all diesen drei Personen lässt sich eigentlich nur über mein E-Mail-Postfach erkennen, mit einer bin ich außerdem bei Facebook befreundet, einer anderern folge ich auf Twitter.
Außerdem las ich gerade Spiegel Online. Eine der Werbungen, die mir dort eingeblendet wurden, waren für Hotels in Ronda, unter anderem für ein Hotel, bei dem ich tatsächlich kürzlich via Internet ein Zimmer gebucht habe. Gesucht hatte ich damals per Google nach Hotels in Ronda.
Wenn ich online bin, bin ich meist bei Google eingeloggt und über meine Google-Startseite auch bei Facebook und Twitter. Offensichtlich fließen die Daten über meine Bewegungen im Internet munter zu allen möglichen Drittanbietern – die Allwissenheit von Youtube, an dem Google ja beteiligt ist, würde mich vielleicht am wenigsten überraschen, aber Spiegel online?
Bin ich nur Internet-entwöhnt und daher so überrascht oder gab es in den letzten Monaten tatsächlich nochmals einen Quantensprung in Sachen Datenfluss? Habe ich alledem in irgendwelchen AGBs zugestimmt? Verkauft Google nun doch Bewegungsdaten an Drittanbieter? Hatte Facebook wieder eine Datenpanne? Sollte ich mich das alles stoisch hinnehmen, da die Entwicklung zur Allwissenheit aller ja absehbar war und ich mich sehenden Auges in diese hemmungslose und skrupellose Maschinerie gestürzt habe? Und wann wird der Zeitpunkt für den digitalen Selbstmord gekommen sein, um wieder ein Leben mit Geheimnissen zu führen? Ohne Geheimnisse gibt es keinen Platz für Fantasie und ohne Fantasie ist das Leben langweilig. Einst waren es die Besserwisser, die jede Unterhaltung verödet haben, vielleicht sinds bald die Alleswisser, die das Netz einfach nur langweilig machen.
Man sieht nur, was man kennt. Besser, man erkennt nur, was man weiß. Denn gesehen habe ich hier in Spanien schon im letzten Jahr diese kleinen, meist an öden Ortsausgängen gelegenen parkartigen Flächen, auf denen knallig in den spanischen Nationalfarben Rot und Gelb gestrichene eiserne Gebilde aus Rohren und Rädern stehen, deren tieferer Sinn sich mir jedoch nicht erschlossen hatte. Entfernt erinnern diese Gebilde an die Art fantasieloser, aber stets in bunten Farben gestrichener Spielgeräte, die man im sozialdemokratischen Deutschland der 70er Jahre bevorzugt in Vierteln des sozialen Wohnungsbaus zu so genannten Spielplätzen zusammen gestellt hat.
Spanien, das habe ich in den letzten Jahren gelernt, ist wunderschönes Land, in dem in den letzten zwanzig Jahren sehr viele unverzeihliche Hässlichkeiten mit einer unglaublichen Bauwut in die schönsten und unberührtesten Landschaften gestellt wurden. Ferienhaussiedlungen, Autobahnen, beides am besten hautnah nebeneinander, kitschige neoarabeske Pseudovillen, riesige, verwahrloste und oft ungenutzte Gewerbeflächen, die einst einmalige Aussichten verstellen – wie z.B. rund um die Stadt Granada – treiben einem oft genug die Tränen in die Augen. Da wären ein paar ungenutzte, mit denkbar kindungerechten Geräten versehene Spielplätze, die besonders in der Mittagshitze eine ignorante Menschenverachtung ausdünsten, eher belustigend gewesen.
Doch meine Einschätzung war weit gefehlt und zeugte statt dessen von Ignoranz und Vorurteilen. Man erkennt nur, was man weiß – erst seit ich kürzlich in einer spanischen Sparkasse, der Caja Granada, im Wartesessel saß und aus Langeweile zum dort ausgelegten Kundenmagazin der Bank griff, weiß ich, dass es sich hier nicht um missratene Spielplätze handelt. Es geht hier um nichts weniger als das Geheimnis der jüngsten sportlichen Erfolge Spaniens. Tatsächlich sind diese Plätze von der spanischen Sparkasse jeder Bankenkrise zum Trotz gesponserte Fitnessparks, die keineswegs nur Kindern, sondern allen Spanierinnen und Spaniern zur Verfügung stehen.
Nicht weniger überzeugend ist der Schusssimilator:
Erinnert sich noch jemand an die Trimm-Dich-Pfade der 70er Jahre? Wo sind diese geblieben? Vielleicht sollte Deutschland die verschüttete Trimm-Dich-Kultur wiederbeleben, denn: 1972 wurde die damalige BRD Fußball-Europameister, 1974 Fußball-Weltmeister – war dies die wahre sportliche Wiege eines Sepp Maiers und Gerd Müllers?
Schade eigentlich – jetzt ist es wohl doch bald so weit: Wer mehr zahlt, wird im Internet schneller angezeigt. Bisher gilt, dass die Internet-Leitungen für alle dieselben sind, ob kleines Projekt oder große Suchmaschine. Damit sind große Internet-Unternehmen schon lange unzufrieden und es scheint, als würde es Google nun gelingen, den Grundsatz der Netzneutralität zu Fall zu bringen. Wenn’s wahr wird, wird das ein trauriger Tag für die Netzkultur sein. Wobei diese unerhörte Demokratie vielleicht schon lange ein unkapitalistischer Anachronismus war.